CraftConsole Pro
Warum es diese Seite gibt
790 € für eine Konsole ist viel Geld. Das will ich gar nicht kleinreden — das gibt niemand eben mal so aus. Statt den Preis zu behaupten, lege ich lieber die Rechnung offen: Jede Zahl auf dieser Seite kommt aus meiner echten Kalkulation.
Drei Dinge solltest du vorher wissen, weil sie erklären, wie dieser Preis zustande kommt — und warum er trotzdem knapp ist.
Ich rechne mit 40 € die Stunde
Das klingt nach viel. Für einen Selbstständigen ist es das nicht — warum, steht weiter unten ausführlich. Ich habe den Satz bewusst niedrig angesetzt, damit der Preis überhaupt in einem Rahmen bleibt, den man jemandem zumuten kann. Betriebswirtschaftlich nötig wäre deutlich mehr.
Die Entwicklung ist nicht eingepreist
Rund 1.000 Stunden Konstruktion, Prototypen und verworfene Versionen stecken in dem Gerät. Würde ich sie umlegen, käme der Preis auf rund 900 € — und dann kauft es niemand mehr. Also trage ich sie erstmal selbst und hoffe, sie über die Menge zurückzuholen, auch über andere Produkte, die dieselben Module nutzen. Ob das aufgeht, weiß ich ehrlich gesagt nicht.
Die Stückzahlen sind Schätzungen
Auf dieser Seite stehen 150 Geräte insgesamt und 30 im Jahr. Beides ist eher optimistisch als vorsichtig. Ob ich die 150 je erreiche, kann ich nicht seriös sagen — und genau diese Unsicherheit macht Kleinserien teuer: Alles, was sich auf eine Stückzahl verteilt, wird teurer, wenn die Stückzahl kleiner ausfällt als gehofft.
Eine Sache noch: Ich liste hier nicht jede einzelne Schraube mit ihrem Einkaufspreis auf. Zum einen wäre die Seite damit unlesbar lang — es sind 110 Positionen. Zum anderen möchte ich anderen Herstellern in diesem Bereich nicht meine komplette Einkaufsstruktur offenlegen. Ich hoffe, das ist nachvollziehbar.
An den Summen ändert das nichts: Jeder Block, den du hier siehst, ist die Summe der echten Einzelpreise aus meiner Kalkulation — nur eben zusammengefasst. Und wenn dich eine bestimmte Position genauer interessiert, frag einfach auf dem Discord nach. Darüber reden wir gern.
Was ich hoffe: dass gleich am Anfang ein paar Bestellungen zusammenkommen. Die wechselbaren Griffe und die App gibt es in dieser Form sonst nirgends, und das Interesse war bisher groß. Aber Interesse und eine Kaufentscheidung über 790 € sind zwei verschiedene Dinge — das ist mir völlig klar.
Kaufen kann man die Konsole noch nicht. Gerade baue ich weitere Prototypen auf — zum Testen, zum Verifizieren und als Testgeräte. Was danach noch fehlt, ist der Teil, den man auf keinem Foto sieht: Dokumentation, Aufbau- und Bedienungsanleitung, die letzten Runden an der Firmware. Wenig spektakulär, aber ohne das liefere ich nichts aus.
Mein Ziel ist der Oktober 2026. Versprechen will ich das ausdrücklich nicht, und ein festes Datum nenne ich schon gar nicht. In einem Ein-Mann-Betrieb wirft eine kranke Woche oder ein Bauteil, das plötzlich nicht lieferbar ist, den ganzen Plan um. Lieber melde ich mich später als geplant, als jetzt etwas zuzusagen, das ich nicht halten kann.
Deshalb diese Seite. Schieb an den Reglern, schalte Posten weg, schau dir an, wo das Geld hingeht. Und sag mir danach, was du davon hältst — ob der Preis für dich aufgeht oder nicht. Wenigstens reden wir dann über dieselben Zahlen. Hier geht es zur Diskussion.
Was steckt in diesem Preis?
790,00 € für eine Konsole sind eine Ansage. Statt sie zu begründen, lege ich die Rechnung offen: jeder Posten auf dieser Seite kommt aus meiner echten Kalkulation — Position für Position, bis nichts mehr übrig ist.
Der Preis ist hier der Ausgangspunkt, nicht das Ergebnis. Von diesem Betrag geht ab jetzt alles ab, was eine Konsole verursacht: Material, Maschinenzeit, Handarbeit, Verpackung, Gebühren, Entwicklung, laufender Betrieb und Rücklagen. Was am Ende stehen bleibt, ist das, was übrig bleibt.
Ein Teil der Kosten hängt am Preis selbst: Zahlungsgebühren, Garantie- und Retourenrücklagen wachsen mit ihm. Wer sie einfach aufschlägt, schlägt auf etwas auf, das sich dadurch wieder ändert. Vom Preis abwärts zu rechnen ist der einzige Weg, der aufgeht.
Material
110 Einzelteile stecken in einer Konsole: Platinen, Taster, Joysticks, Encoder, Kabel, Alu-Profil — dazu 48 selbst gedruckte Teile aus rund 3,7 kg Filament. Zusammen rund zwei Drittel der Herstellkosten.
Das ist der Punkt, an dem sich Einzelfertigung von Massenware unterscheidet. Ein Großserienhersteller kauft Platinen zu Tausenden und lässt Gehäuse spritzgießen — die Form kostet einmal fünfstellig und danach fast nichts je Stück. Hier wird jedes Gehäuseteil einzeln gedruckt und jede Baugruppe in kleinen Mengen eingekauft. Der Materialpreis je Konsole ist dadurch ein Vielfaches dessen, was in einer Fabrik anfiele.
Material ist der größte Hebel — und der, an dem ich am wenigsten drehen kann, ohne das Gerät zu verändern. Billigere Taster, dünneres Alu, weniger Encoder: Das würde den Preis senken und das Produkt verschlechtern. Die einzige saubere Stellschraube sind größere Einkaufsmengen, und die setzen Absatz voraus.
Maschine und Strom
In einer Konsole stecken 94 Druckstunden — fast vier Tage, an denen die Maschine durchläuft. Sie verschleißt dabei und verbraucht 28 kWh Strom.
Der Verschleiß wird als Maschinenstundensatz eingerechnet: Anschaffungspreis geteilt durch die erwartete Lebensdauer in Stunden, plus anteilige Wartung. Jede Druckstunde zahlt so einen kleinen Teil des nächsten Druckers mit ab.
Es fließt in dem Moment kein Geld ab — deshalb fällt dieser Posten in vielen Kalkulationen unter den Tisch. Wer die Maschine nicht in jedes Teil einrechnet, hat aber kein Geld für die nächste, wenn die alte stirbt. Man verkauft dann jahrelang Produkte und finanziert dabei still den eigenen Substanzverlust.
Handarbeit
An jeder Konsole sitze ich 4 Stunden 37 Minuten: löten, crimpen, Gewinde schneiden, Platinen bestücken, montieren, prüfen, verpacken. Angesetzt mit 40,00 € die Stunde.
Das sind rund 40 einzelne Arbeitsschritte, jeder mit eigener Zeit hinterlegt — vom Stoffaufziehen der Armauflage über das Vercrimpen der Kabelsätze bis zur Endmontage. Nichts davon ist geschätzt; die Zeiten sind beim Bauen mitgeschrieben.
Diese Stunden sind zugleich der Grund, warum das Gerät so ist, wie es ist. Eine Maschine, die 500 Stück am Tag ausspuckt, kann keine Kabelsätze auf Länge crimpen und keine Passung nacharbeiten.
Dieser Lohn wird in der Rechnung abgezogen wie jeder andere Posten auch — er steht nur ganz am Ende, als letzte Position. Denn anders als Material oder Gebühren geht er nicht an Dritte: Er ist das, was für die Arbeit an diesem Gerät übrig bleiben soll. Was danach noch stehen bleibt, ist echter Überschuss.
Wäre er bei den direkten Kosten eingereiht, sähe der Deckungsbeitrag kleiner aus, als er ist — denn dieses Geld fließt nicht aus dem Betrieb ab. Steht er dagegen gar nicht in der Rechnung, wirkt der Rest am Ende wie Gewinn, obwohl darin noch viereinhalb Stunden unbezahlte Arbeit stecken. Als letzte Position stimmt beides.
Der Schalter „Arbeit wird bezahlt“ rückt sie nach oben zu den direkten Kosten — so, als müsste jemand dafür eingestellt werden. Am Ergebnis unten ändert das nichts, wohl aber am Deckungsbeitrag.
Verpackung
Drei Kartons und 15 Meter Packpapier, damit ein Gerät dieser Größe heil ankommt.
Ein kleiner Posten — aber einer, an dem zu sparen teuer wird. Ein Transportschaden kostet den vollen Warenwert plus Rückversand plus Neuaufbau.
Die Papierrolle kostet nicht das, was 15 Meter kosten. Fast jedes Verbrauchsmaterial kauft man im Gebinde und verbraucht es stückweise — Schrauben, Kabel, Lötzinn, Papier. Der Kalkulationspreis ist immer Gebindepreis geteilt durch Inhalt. Wer das überspringt, rechnet sich entweder arm oder vergisst den Posten ganz.
Zahlungsgebühr
Der Zahlungsanbieter nimmt 2,49 % plus einen festen Betrag je Transaktion — bei diesem Preis 20,02 €. Mehr als die gesamte Verpackung.
Dieses Geld sieht der Hersteller nie. Käme noch eine Verkaufsplattform dazu, wären an dieser Stelle noch einmal 6–15 % fällig — ein wesentlicher Grund, warum Direktkauf beim Hersteller für beide Seiten günstiger ist.
Sie wachsen mit. Aus 100 € mehr Verkaufspreis werden nicht 100 € mehr in der Kasse, sondern rund 97,50 €. Und wer rückwärts einen Mindestpreis sucht, darf sie nicht draufschlagen — sie gehören in den Nenner der Rechnung. Genau das macht die Preisskala links.
Zwischenstand: der Deckungsbeitrag
Bis hierher stehen nur Kosten, die genau dieser eine Verkauf verursacht. Ohne Verkauf fällt nichts davon an. Was übrig bleibt, heißt Deckungsbeitrag — 42 % des Preises.
Diese Zahl beantwortet die Frage: Bringt ein einzelner Verkauf überhaupt Geld herein? Solange sie positiv ist, lautet die Antwort ja — auch dann, wenn Entwicklung und laufender Betrieb noch längst nicht bezahlt sind. Der Verkauf trägt eben nur einen Teil dazu bei.
Wirft man alle Kosten in einen Topf, sieht ein Preis knapp unter der Vollkostendeckung nach Verlust aus — obwohl jeder Verkauf Geld einbringt und nur die Amortisation länger dauert. Umgekehrt sieht man nicht mehr, wie viel vom Preis für Dinge draufgeht, die mit dem einzelnen Stück gar nichts zu tun haben. Die folgenden vier Posten sind genau solche.
Entwicklung — bewusst nicht im Preis
Konstruktion, Prototypen, Fehldrucke und verworfene Versionen haben rund 1.000 Stunden gekostet, bevor die erste Konsole verkauft war. 500 Stunden davon entfallen auf dieses Gerät — zusammen mit Material und Werkzeug rund 21.200,00 €.
Dieser Betrag ist nicht in den 790,00 € enthalten. Würde er umgelegt, müsste die Konsole spürbar mehr kosten — und wäre damit schlicht zu teuer.
Warum nur die Hälfte: Ein großer Teil dieser Arbeit steckt nicht allein in diesem Gerät. Die kleineren Armauflagen-Varianten nutzen dieselbe Konstruktion, und künftige Produkte greifen auf dieselben Module zurück — Joystickunterbau, Einschubslots, Mainboard. Entwicklung, die mehreren Produkten dient, darf man nicht einem allein aufbürden.
Der Rest der Vorleistung muss sich anders rechnen: über die Gesamtmenge aller Produkte und darüber, dass sich einzelne Baugruppen auch für sich verkaufen lassen. Das ist eine Wette auf die kommenden Jahre — keine Position, die dieser eine Verkauf bezahlen könnte.
Jede verkaufte Konsole wirft einen Überschuss ab, der nach allen laufenden Kosten und nach der Arbeitszeit übrig bleibt. Aus diesem Überschuss — und nur daraus — kommt die Entwicklung nach und nach zurück. Links steht, nach wie vielen Geräten sie bezahlt wäre.
Der Schalter unten rechnet sie testweise doch in den Preis ein. Man sieht sofort, was dann vom Überschuss übrig bleibt — und warum diese Entscheidung so gefallen ist.
Bei einem Massenprodukt mit 100.000 Stück wären dieselben 1.000 Entwicklungsstunden ein Posten von wenigen Cent je Gerät. Genau diese Rechnung kann Einzelfertigung nie gewinnen — sie gewinnt woanders.
Laufender Betrieb
Werkstatt, Versicherung, CAD-Lizenzen, Buchhaltung, Steuerberatung, Webshop — das läuft weiter, ob in einem Monat etwas verkauft wird oder nicht. Auf die Konsole rechne ich davon 40 % an — nicht die vollen laufenden Kosten.
Warum nur ein Teil: Die CAD-Lizenz, die Werkstatt, die Steuerberatung und der Shop arbeiten nicht allein für dieses eine Gerät. An ihnen hängen auch die anderen Produkte, die ich entwickle und verkaufe — und die tragen ihren Teil davon selbst. Der Konsole den gesamten Betrieb aufzubürden wäre genauso falsch, wie ihn ganz wegzulassen: Im einen Fall rechne ich das Gerät künstlich teuer, im anderen künstlich billig.
Die 40 % sind eine Einschätzung, keine Messung. Sie sollen ungefähr dem entsprechen, was dieses Produkt an Werkstattzeit, Konstruktionsarbeit und Verwaltung tatsächlich beansprucht — es ist derzeit das aufwendigste, aber eben nicht das einzige.
Geteilt wird der so ermittelte Betrag durch die Stückzahl, die in einem Jahr realistisch verkauft wird. Auch das ist eine Annahme — und die unsicherste Zahl der ganzen Kalkulation.
Der Divisor ist eine Planung, kein Messwert. Halbiert sich der Absatz, verdoppelt sich dieser Posten — und zwar ausgerechnet dann, wenn es ohnehin schlecht läuft. Schieb den Regler nach unten und schau, was mit dem Rest unten passiert. Das ist der Grund, warum kleine Hersteller ihre Preise nicht beliebig senken können: Unter einer bestimmten Stückzahl frisst der Betrieb den Gewinn auf, egal wie effizient gebaut wird.
Im Anteil steckt dieselbe Unsicherheit: Setze ich ihn zu niedrig an, sieht die Konsole günstiger aus, als sie ist — und der Rest des Betriebs muss von Produkten getragen werden, die sich erst noch verkaufen müssen.
Rücklage für Garantie und Retouren
7,0 % vom Verkaufspreis — Geld, das nicht ausgegeben werden darf, weil ein Teil der Geräte zurückkommt oder nachgebessert werden muss.
Warum vom Verkaufspreis und nicht von den Herstellkosten? Weil eine Retoure den vollen Warenwert kostet plus Versand, Prüfung und Wiederaufbereitung. Ein zurückgeschicktes Gerät ist teurer als eines, das nie gebaut wurde.
Sie ist der Grund, warum im Garantiefall ohne Diskussion nachgebessert wird: Das Geld dafür ist in jedem verkauften Gerät schon zurückgelegt. Ein Hersteller, der diesen Posten weglässt, senkt seinen Preis um diese paar Prozent — und steht beim ersten Garantiefall vor einem Loch in der Kasse. Die Rechnung dafür zahlt am Ende der Kunde, der dann keinen Ansprechpartner mehr hat.
Was übrig bleibt
Von 790,00 € bleiben nach allen Kosten und nach einem Stundenlohn von 40,00 € noch 43,22 € übrig — 5,5 % vom Preis.
Das liegt unter dem Stundensatz eines Handwerkers und ungefähr da, wo ein Facharbeiter im Angestelltenverhältnis landet — nur ohne bezahlten Urlaub, ohne Lohnfortzahlung und ohne Arbeitgeberanteil. Warum ein Stundensatz von 40 € für einen Selbstständigen deutlich weniger ist, als er klingt, steht ausführlich unter „40 Euro die Stunde — ist das viel?“ weiter unten.
Es liegt nahe zu denken: Wenn alle Kosten gedeckt sind und der Stundenlohn drin ist, reicht doch eine schwarze Null. Tut sie nicht — und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Die Rechnung oben kennt nur die Arbeit am Gerät.
Die Kartons müssen zur Post gebracht werden, Paket für Paket. Vor dem Kauf kommen Fragen: Passt das an meinen Tisch, welche Variante brauche ich, funktioniert das mit meiner Software? Nach dem Kauf kommt Support — Einrichtung, ein klemmender Taster, ein Firmware-Update. Das ist alles Arbeitszeit, und keine Minute davon steckt in den 4 Stunden 37 Minuten oben.
Dasselbe gilt für Marketing. Das sind nicht nur Anzeigenkosten — es sind vor allem Stunden: Produktfotos machen, Videos schneiden, Texte schreiben, Fragen unter Beiträgen beantworten, die Shop-Seite pflegen. Werbung, die nichts kostet, kostet Zeit.
Dazu kommt, was kein Monat, sondern erst ein Jahr sichtbar macht: Die nächste Maschine muss bezahlt werden, Werkzeug geht kaputt, und es gibt Monate ohne eine einzige Bestellung. Wer bei null herauskommt, hat für all das nichts.
Und aus genau diesem Rest kommt auch die Entwicklung zurück — die rund 21.200 €, die in Schritt 7 bewusst nicht eingepreist sind. Das ist der eigentliche Grund, warum dort unten eine ordentliche Zahl stehen muss und nicht bloß eine schwarze Null.
Der Rest ganz unten ist also kein Bonus — er ist der einzige Posten, aus dem alles bezahlt wird, was in dieser Kalkulation gar nicht vorkommt. Er müsste deutlich größer sein als das, was gerade dort steht.
Und deshalb ist der Preis nicht verhandelbar, ohne dass etwas anderes nachgibt. Es gibt zwei Untergrenzen:
| Untergrenze | Deckt | Preis |
|---|---|---|
| Direkte Grenze | Material, Maschine, Verpackung, Gebühr — ohne Lohn | 446,47 € |
| Vollkostengrenze | zusätzlich Betrieb, Rücklage und der volle Stundenlohn | 742,25 € |
Unter der direkten Grenze kostet jeder einzelne Verkauf Geld. Da hilft keine Stückzahl — mehr verkaufen macht es schlimmer.
Dazwischen trägt sich jeder Verkauf, und Entwicklung und Betrieb kommen zurück — aber der angesetzte Stundenlohn wird nicht vollständig erreicht. Genau hier liegt der eingestellte Preis. Man arbeitet dann für etwas weniger als geplant und legt für das, was oben unter „Warum hier nicht null stehen darf“ steht, nichts zurück.
Darüber geht die Rechnung vollständig auf — inklusive Lohn. Die Skala links zeigt laufend, in welcher der drei Zonen der eingestellte Preis gerade liegt.
Die ganze Rechnung auf einen Blick
Dieselben Zahlen als Tabelle, mit dem Anteil, den jeder Posten vom Verkaufspreis beansprucht. Reagiert auf alle Regler.
| Posten | Art | Betrag | Anteil am Preis |
|---|
Wo das Geld sitzt
Die Konsole zerfällt in dreizehn Positionen. Jeder Balken zeigt, was die Gruppe insgesamt kostet — aufgeteilt in Material, Handarbeit und Maschinenzeit. Die vier größten machen zusammen über die Hälfte der Herstellkosten aus.
40 Euro die Stunde — ist das viel?
In der Rechnung oben steht ein Stundensatz von 40,00 €. Wer angestellt arbeitet, hält das für einen sehr guten Lohn. Für einen Selbstständigen ist dieselbe Zahl etwas völlig anderes — und ehrlich gesagt zu wenig. Zuerst: Was bleibt von einer verkauften Stunde überhaupt übrig?
Was von 40,00 € je verkaufter Stunde übrig bleibt
BeispielrechnungVereinfachtes Beispiel mit gerundeten Werten für 2026, ledig und kinderlos, freiwillig gesetzlich versichert. Gerechnet wird mit dem Grenzsteuersatz — also mit dem, was dieser Verdienst zusätzlich an Steuer auslöst, nicht mit dem Satz, der sich ergäbe, wenn er das einzige Einkommen wäre. Keine Steuerberatung — Familienstand, Kinder, Kirchensteuer und private Krankenversicherung verschieben das Ergebnis deutlich.
25,00 € die Stunde, angestellt
Vollzeit, 40 Stunden — der VergleichsmaßstabAlle 2.080 Stunden werden vergütet: 30 Urlaubstage, Feiertage und Krankheitstage laufen mit. Unten steht, was davon nach Steuern und Sozialabgaben übrig bleibt — auf dieselbe Zeitbasis gerechnet wie rechts.
- Bezahlt wird die Anwesenheit, nicht der Umsatz
- Buchhaltung und Verwaltung macht der Arbeitgeber
- Krankheit: sechs Wochen Lohnfortzahlung
- Die Hälfte der Sozialabgaben zahlt der Arbeitgeber
- Rentenpunkte sammeln sich automatisch an
- Arbeitslosenversicherung inklusive
40,00 € die Stunde, selbstständig
Einzelunternehmer, gleiche WochenstundenAuch hier sind es 2.080 Stunden — aber nur der erste Block landet auf einer Rechnung. Der Urlaub steht zusätzlich daneben: Er ist keine der unbezahlten Arbeitsstunden, sondern Zeit ganz ohne Einkommen.
- Bezahlt wird nur, was auch verkauft wird
- Buchhaltung und Verwaltung macht man selbst — unbezahlt
- Krankheit: kein Einkommen, Kosten laufen weiter
- Kranken- und Pflegeversicherung komplett selbst
- Altersvorsorge komplett selbst
- Kein Anspruch auf Arbeitslosengeld
Die 784 unbezahlten Stunden
rund 16 Stunden die WocheDas ist keine Freizeit und kein Urlaub — der steht separat daneben. Es ist Arbeit, die genauso anfällt wie das Bauen selbst, nur dass sie niemand bezahlt:
Genau daher kommt der Unterschied zwischen 2.080 und 1.176: nicht weil weniger gearbeitet wird, sondern weil weniger davon jemand bezahlt. Ein Angestellter bekommt seine Buchhaltung, seine Urlaubstage und seinen Krankenschein vom Arbeitgeber getragen — ein Selbstständiger trägt beides selbst, aus dem, was die 1.176 verkauften Stunden einbringen.
Und was bringt die Stunde nun wirklich?
derselbe Betrag, drei ZeitbasenJetzt, wo die drei Blöcke klar sind, lässt sich dasselbe Jahresnetto auf verschiedene Zeitbasen rechnen. Die Zahl wird kleiner, obwohl sich am Verdienst nichts ändert — es kommen nur immer mehr Stunden dazu, die mitgetragen werden müssen.
Die letzte Zeile ist die einzige, die sich mit einem Angestelltenlohn vergleichen lässt — der wird ja ebenfalls über alle 2.080 Stunden gezahlt, Urlaub eingeschlossen. Genau diese Zahl steht oben in den beiden Karten nebeneinander.
Zur Einordnung: Der gesetzliche Mindestlohn liegt 2026 bei 13,90 € — und das ist ein Bruttobetrag, von dem Steuern und Sozialabgaben noch abgehen.
Sozialabgaben zahlt man doppelt
Beim Angestellten teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Der Selbstständige zahlt beide Hälften — oder verzichtet auf die Absicherung.
Allein die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung kostet rund 20 % des Gewinns. Wer zusätzlich so vorsorgen will, dass im Alter dasselbe herauskommt wie bei einem Angestellten, legt weitere 18,6 % zurück — genau den Satz, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen in die Rentenkasse zahlen.
Urlaub und Krankheit kosten doppelt
Nicht nur fällt der Verdienst weg — die laufenden Kosten laufen weiter. Werkstatt, Versicherungen, Lizenzen und Abgaben interessiert es nicht, ob jemand im Urlaub ist oder mit Grippe im Bett liegt.
Ein Angestellter hat rund 40 bezahlte freie Tage im Jahr zwischen Urlaub, Feiertagen und Krankheit. Dieselben Tage bedeuten für einen Selbstständigen rund 18 % weniger Jahreseinkommen — bei gleichbleibenden Fixkosten.
Der ehrliche Vergleichsmaßstab
Ein Angestellter mit 25 € Stundenlohn kostet seinen Arbeitgeber nicht 25 €. Mit dem Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung sind es rund 30 € — und weil davon auch Urlaub, Feiertage und Krankheitstage bezahlt werden, landet man auf rund 37 € je tatsächlich gearbeiteter Stunde.
Das ist die Zahl, gegen die sich ein Selbstständigen-Stundensatz vergleichen muss — nicht der Bruttolohn auf der Gehaltsabrechnung.
Was in dieser Kalkulation gar nicht steht
Der angesetzte Satz deckt oben ausschließlich die 4 Stunden 37 Minuten am Werktisch. Ein Teil der übrigen Arbeit ist anderswo berücksichtigt: die Entwicklung als eigener Posten, das Verpacken als Arbeitsschritt.
Aber Buchhaltung, Einkauf, Kundenanfragen, Produktfotos und Shop-Pflege tauchen in keinem einzigen Posten dieser Seite auf. Sie sind schlicht nicht eingepreist. Insofern ist die Rechnung oben eher zu freundlich als zu streng.
Es zählt der Grenzsteuersatz
Der häufigste Rechenfehler beim Stundensatz: die Steuer so zu rechnen, als wäre dieser Verdienst das einzige Einkommen. Das ist er selten. Wer nebenher angestellt arbeitet oder noch andere Produkte verkauft, hat den Grundfreibetrag längst verbraucht.
Dann zählt nicht, was dieser Verdienst für sich an Steuer auslösen würde, sondern was er zusätzlich auslöst — und das ist deutlich mehr. Der Grenzsteuersatz beginnt bei 14 % und erreicht ab knapp 69.000 € zu versteuerndem Einkommen die vollen 42 %.
Die Leiter oben rechnet deshalb mit einem realistischen Grenzsteuersatz statt mit dem geschönten Wert, der herauskäme, wenn man den Grundfreibetrag noch einmal ansetzt. Und daraus folgt: Ein höherer Stundensatz bringt nie eins zu eins mehr Netto.
Was daraus folgt
Um auf dasselbe Netto zu kommen wie ein Angestellter mit 25 € Stundenlohn, müsste ein Einzelunternehmer rund 82 € pro verkaufter Stunde ansetzen. Das ist keine Gier, sondern schlicht die Rechnung: Sozialabgaben in voller Höhe, Altersvorsorge aus eigener Tasche, unbezahlter Urlaub und die Hälfte der Arbeitszeit, die niemand bezahlt.
Der Satz in dieser Kalkulation ist also kein Wunschlohn, sondern eine Untergrenze — ein Bruchteil dessen, was betriebswirtschaftlich nötig wäre. Bei der eingestellten Rechnung bringt die Arbeitsstunde 48,11 € — der angesetzte Satz ist damit erreicht. Von dem, was für ein Netto auf Angestelltenniveau nötig wäre, ist er weiterhin entfernt.
Das ist der eigentliche Grund, warum handgefertigte Kleinserien kosten, was sie kosten. Nicht weil jemand zu viel verdient — sondern weil in jedem Gerät Stunden stecken, die eine Fabrik nicht hat.
Die Begriffe, um die es geht
Unabhängig von diesem Produkt — das sind die Werkzeuge, mit denen jeder Preis gerechnet wird, vom Hofladen bis zum Maschinenbau.
Direkte Kosten
Entstehen durch genau diesen einen Verkauf. Kein Verkauf, keine Kosten: Material, Maschinenzeit, Verpackung, Zahlungsgebühr. Sie sind die harte Untergrenze — darunter zu verkaufen heißt sofort draufzahlen, und mehr Stückzahl macht es schlimmer.
Indirekte Kosten
Sind da, ob verkauft wird oder nicht: Entwicklung, Werkstatt, Versicherung, Software. Sie werden über eine angenommene Stückzahl umgelegt. Das macht sie zur unsichersten Größe jeder Kalkulation — die Annahme ist eine Prognose, kein Messwert.
Deckungsbeitrag
Preis minus direkte Kosten. Der Betrag, den ein Verkauf zur Deckung all dessen beisteuert, was ohnehin anfällt. Die Zahl, an der sich entscheidet, ob ein einzelner Auftrag sich lohnt.
Break-even
Der Preis, bei dem der Gewinn exakt null ist — keine Empfehlung, sondern eine Grenze. Weil Gebühren und Rücklagen prozentual am Preis hängen, kann man sie nicht draufschlagen; sie gehören in den Nenner.
Kalkulatorischer Unternehmerlohn
Die eigene Arbeitszeit, bewertet, als müsste man sie bezahlen. Sie fließt nicht ab und taucht in keiner Buchhaltung auf — aber ohne sie rechnet man sich reich. Wer Stunden je Stück investiert, muss wissen, was diese Stunde einbringt.
Gebindepreis vs. Verbrauchspreis
Man kauft eine Packung und braucht ein paar Stück daraus. Der Kalkulationspreis ist immer der Gebindepreis geteilt durch den Inhalt. Klingt banal, ist aber die häufigste Fehlerquelle in selbstgebauten Kalkulationen.
Ausschuss
Ein Fehldruck verbraucht Filament, Strom und Maschinenzeit — liefert aber kein Teil. Bei 10 % Ausschuss braucht es 1 ÷ 0,9 = 1,11 Drucke je gutem Teil. Der Aufschlag gehört sichtbar in die Rechnung, nicht versteckt in einen höheren Materialpreis.
Maschinenstundensatz
Was eine Betriebsstunde der Maschine kostet: Anschaffung geteilt durch erwartete Lebensdauer, plus anteilige Wartung. Der Posten, bei dem am häufigsten „fließt ja kein Geld ab“ gesagt wird — bis die Maschine ersetzt werden muss.
Sag mir, was du davon hältst
Ob du den Preis fair findest oder zu hoch, ob du eine Frage hast, eine Idee, einen Einwand oder einfach nur neugierig bist — ich freue mich über jede Rückmeldung. Ich habe die Zahlen nicht offengelegt, um recht zu behalten, sondern weil ich wissen will, wie das Ganze auf dich wirkt.
Am liebsten auf dem Discord und nicht in den Kommentaren. Dort kann man Zahlen nebeneinanderlegen, nachfragen und in Ruhe antworten — in einer Kommentarspalte geht das erfahrungsgemäß unter.